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Welche Versicherungen braucht man wirklich – und welche nicht?

MMarkus Dreiberg 6 min Lesezeit

Welche Versicherungen braucht man wirklich – und welche nicht?

Wer durchblicken will, welche Versicherungen wirklich notwendig sind, braucht einen klaren Versicherungen Überblick. Dieser Artikel zeigt, welche Policen unverzichtbar sind, welche situationsabhängig sinnvoll sind – und welche man getrost kündigen kann. Mit konkreten Tipps zum systematischen Check des eigenen Versicherungsportfolios.

Der Versicherungsdschungel: Warum Orientierung so schwer fällt

Rund 1,6 Milliarden Versicherungsverträge laufen laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Deutschland – das sind knapp 20 Verträge pro Haushalt im Durchschnitt. Viele davon wurden irgendwann abgeschlossen, weil ein Vertreter überzeugend war, weil man Angst hatte oder weil die Beiträge damals überschaubar schienen. Das Ergebnis: Millionen Deutsche zahlen für Schutz, den sie entweder nie brauchen werden oder der sich mit anderen Policen überschneidet.

Ein strukturierter Versicherungen Überblick hilft dabei, Licht ins Dunkel zu bringen. Die zentrale Frage lautet nicht „Welche Versicherung gibt es?", sondern: „Welches Risiko kann ich selbst tragen – und welches nicht?" Wer ein existenzielles Risiko absichert, handelt klug. Wer für jedes Alltagsrisiko eine Police kauft, verbrennt bares Geld.

Grundsätzlich gilt: Je höher der mögliche finanzielle Schaden und je unwahrscheinlicher die eigene Fähigkeit, ihn selbst zu stemmen, desto dringender ist eine Versicherung. Kleine, kalkulierbare Schäden hingegen lassen sich meist besser aus dem eigenen Haushaltsbudget abfedern – mehr dazu, wie Sie Ihren Finanzpuffer aufbauen, lesen Sie in unserem Beitrag Haushaltsbudget erstellen mit der 50-30-20-Methode.

Versicherungen, die wirklich jeder braucht

Einige Versicherungen sind schlicht unverzichtbar – unabhängig davon, ob man jung oder alt, Single oder Familienvater ist. Sie schützen vor Schäden, die die eigene wirtschaftliche Existenz vernichten können.

Privathaftpflichtversicherung

Die Privathaftpflicht ist die wichtigste Versicherung überhaupt. Wer versehentlich jemanden verletzt oder fremdes Eigentum beschädigt, haftet in Deutschland grundsätzlich unbegrenzt – also auch mit dem eigenen Ersparten und zukünftigem Einkommen. Eine kaputte Brille beim Sport ist ärgerlich, aber noch verkraftbar. Ein Unfall, bei dem eine andere Person dauerhaft pflegebedürftig wird, kann Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe auslösen. Die Beiträge für eine solide Police liegen je nach Anbieter und Deckungssumme zwischen 40 und 100 Euro im Jahr – gemessen an der Absicherung ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.

Krankenversicherung

In Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht, weshalb es hier keine Wahlfreiheit gibt. Dennoch lohnt es sich, den Umfang des gewählten Schutzes kritisch zu prüfen. Gesetzlich Versicherte können durch Zusatztarife etwa für Zahnersatz oder Sehhilfen gezielt Lücken schließen – sofern der Eigenanteil im Schadensfall das Budget spürbar belasten würde.

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Statistisch gesehen scheidet jeder vierte Arbeitnehmer vor Renteneintritt aus dem Berufsleben aus – häufig durch psychische Erkrankungen, Rückenprobleme oder Unfälle. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht in den allermeisten Fällen nicht zum Leben. Eine BU-Versicherung zählt daher zu den notwendigen Versicherungen für alle Berufstätigen, besonders für Selbstständige ohne staatlichen Schutz. Je früher man abschließt, desto günstiger die Beiträge – ein 25-Jähriger zahlt oft weniger als die Hälfte dessen, was ein 40-Jähriger für vergleichbaren Schutz aufwenden muss.

Kfz-Haftpflichtversicherung

Wer ein Auto besitzt, ist gesetzlich zur Kfz-Haftpflicht verpflichtet. Sie deckt Schäden ab, die man mit dem Fahrzeug bei anderen verursacht. Ob darüber hinaus eine Teil- oder Vollkaskoversicherung sinnvoll ist, hängt vom Fahrzeugwert ab: Bei einem Neuwagen oder Fahrzeug mit hohem Restwert eindeutig ja, bei einem alten Gebrauchtwagen im Wert von unter 3.000 Euro lässt sich dies gut abwägen.

Versicherungen, die viele brauchen – aber nicht alle

Diese Policen sind für bestimmte Lebenssituationen sinnvoll, aber eben nicht universell notwendig. Hier kommt es auf die persönlichen Umstände an.

Risikolebensversicherung

Wer Menschen hat, die finanziell von ihm abhängig sind – Kinder, ein Partner mit niedrigem Einkommen, gemeinsame Schulden – sollte eine Risikolebensversicherung ernsthaft prüfen. Sie zahlt im Todesfall eine vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen. Für Singles ohne Unterhaltsverpflichtungen ist sie in aller Regel überflüssig. Die Beiträge sind vergleichsweise günstig: Eine 30-jährige, nicht rauchende Person zahlt für 300.000 Euro Todesfallschutz oft weniger als 20 Euro im Monat.

Hausratversicherung

Die Hausratversicherung schützt das bewegliche Eigentum in der Wohnung – bei Einbruch, Feuer, Leitungswasser oder Sturm. Wer hochwertige Elektrogeräte, Möbel oder Musikinstrumente besitzt, ist gut beraten, diesen Schutz zu haben. Wer hingegen in einer WG lebt und kaum Eigentum besitzt, kann die Notwendigkeit durchaus hinterfragen. Wichtig: Die Versicherungssumme muss dem tatsächlichen Wert des Hausrats entsprechen, sonst droht im Schadensfall eine anteilige Unterversicherung.

Rechtsschutzversicherung

Rechtliche Auseinandersetzungen – mit dem Arbeitgeber, dem Vermieter oder nach einem Verkehrsunfall – können teuer werden. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten. Wer regelmäßig mit Vertragspartnern zu tun hat oder in einem konfliktträchtigen Mietverhältnis lebt, kann damit gut beraten sein. Zu beachten: Die Wartezeiten (oft drei bis sechs Monate) und zahlreiche Ausschlussklauseln machen die Police weniger flexibel als gedacht.

Versicherungen, die Sie besser kündigen sollten

Nicht jede Police, die man besitzt, verdient ihren Platz im Versicherungsportfolio. Manche sind teuer, bieten wenig Gegenwert – oder sichern Risiken ab, die man locker selbst tragen kann.

„Eine Versicherung ist kein Sicherheitsgefühl – sie ist ein Vertrag. Und wer diesen Vertrag nicht versteht, zahlt meist zu viel für zu wenig."

Wer überlegt, eine Versicherung zu kündigen, sollte zunächst die tatsächliche Schadenswahrscheinlichkeit und die mögliche Schadenshöhe gegenüberstellen. Ist beides gering, spricht nichts dagegen, die Police aufzugeben und die Beiträge stattdessen in einem Notgroschen anzusparen.

  • Handyversicherung: Hohe Prämien, enge Ausschlüsse (kein Schutz bei Diebstahl aus der Tasche), meist unwirtschaftlich. Neugeräte sind oft über die Hausratversicherung oder die Kreditkartenleistungen mitversichert – mehr dazu unter Kreditkarte sinnvoll nutzen und Zusatzleistungen verstehen.
  • Reisegepäckversicherung: Der Schaden bei verlorenem Gepäck ist selten existenzbedrohend. Standardmäßig haftet die Airline nach dem Montrealer Übereinkommen. Eine zusätzliche Police lohnt sich kaum.
  • Restschuldversicherung: Wird häufig bei Krediten angeboten, ist aber oft überteuert und im Kleingedruckten voller Ausschlüsse. Bei Todesfall greift sie zwar ein – doch wer ohnehin eine Risikolebensversicherung hat, braucht diese Doppelabsicherung nicht.
  • Sterbegeldversicherung: Die monatlichen Beiträge ergeben auf Lebenszeit gerechnet oft mehr als die ausgezahlte Summe im Todesfall. Wer für die eigenen Beerdigungskosten vorsorgen möchte, tut das mit einem separaten Sparbetrag effizienter.
  • Brillenversicherung: Scheinbar günstig in der Prämie, aber die Erstattung greift oft erst nach ein bis zwei Jahren Laufzeit und ist gedeckelt. In vielen Fällen lohnt sich das Selbstzahlen mehr.
  • Tierlebensversicherung: Schützt vor dem finanziellen Verlust durch den Tod eines Tieres – tatsächlich relevant allenfalls bei sehr teuren Zuchttieren oder Pferden. Für die meisten Haustierbesitzer nicht sinnvoll.

Wie Sie Ihren Versicherungsschutz systematisch überprüfen

Ein jährlicher Versicherungs-Check ist keine übertriebene Vorsichtsmaßnahme, sondern schlichtes Haushalten. Lebensumstände ändern sich: Heirat, Scheidung, Kinder, Jobwechsel, Umzug, Immobilienkauf – jedes dieser Ereignisse kann bedeuten, dass bestehende Policen angepasst oder neue abgeschlossen werden müssen.

Empfehlenswert ist folgendes Vorgehen: Alle Versicherungsverträge sammeln, die monatlichen und jährlichen Beiträge summieren und jedem Vertrag die Frage stellen: „Was ist das Worst-Case-Szenario, das diese Police abdeckt – und kann ich dieses Szenario selbst finanziell überleben?" Wer diese Frage mit „ja" beantworten kann, hat einen guten Kandidaten für die Kündigung gefunden.

Checkliste: So gehen Sie beim Versicherungs-Check vor

  1. Alle Policen und Beiträge in einer Liste zusammenfassen (Jahresbeitrag notieren).
  2. Versicherungen in „unverzichtbar", „sinnvoll" und „verzichtbar" einteilen.
  3. Deckungssummen prüfen: Sind sie noch zeitgemäß? Untergrenzen oder veraltete Werte können problematisch sein.
  4. Doppelversicherungen identifizieren – z.B. Reiserücktritt über Kreditkarte und als Einzelpolice.
  5. Bessere Tarife vergleichen: Viele Anbieter verlangen für identischen Schutz sehr unterschiedliche Beiträge.
  6. Kündigungsfristen beachten: Die meisten Jahresverträge enden zum Vertragsende mit drei Monaten Frist, viele bieten aber ein Sonderkündigungsrecht nach Beitragserhöhung.

Versicherung kündigen: Was es zu beachten gibt

Wer eine Versicherung kündigen möchte, muss einige formale Hürden nehmen. Die ordentliche Kündigung muss schriftlich erfolgen – per Brief oder zunehmend auch per E-Mail, sofern der Anbieter dies zulässt. Die Frist beträgt bei den meisten Verträgen drei Monate vor Ablauf des Versicherungsjahres. Bei Beitragserhöhungen, die nicht auf einer Vertragsanpassung beruhen, haben Versicherungsnehmer ein außerordentliches Kündigungsrecht mit einer Frist von einem Monat.

Wichtig: Nie kündigen, bevor ein gleichwertiger oder besserer Ersatz feststeht – vor allem nicht bei der Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung. Eine Gesundheitsprüfung beim neuen Anbieter kann bei veränderten Vorerkrankungen zu Ablehnungen oder Ausschlüssen führen. Erst den neuen Vertrag unterschreiben, dann den alten kündigen.

Wer seine Finanzen ganzheitlich im Blick hat, versteht Versicherungen als einen Baustein unter vielen. Wer weiß, was auf dem Konto eingeht und ausgeht, erkennt schneller, welche Posten sich nicht mehr rechtfertigen lassen. Eine strukturierte Haushaltsplanung bildet dafür die beste Grundlage – wie das konkret funktioniert, zeigt unser Artikel zum Haushaltsbudget und der 50-30-20-Methode.

Fazit: Qualität schlägt Quantität

Wer viele Versicherungen hat, ist noch lange nicht gut abgesichert. Entscheidend ist, die richtigen Risiken zu versichern – und zwar mit ausreichend hohen Deckungssummen. Die Privathaftpflicht, die Krankenversicherung und für Berufstätige die Berufsunfähigkeitsversicherung bilden das Fundament. Alles andere ist situations- und personenabhängig.

Ein regelmäßiger Versicherungen Überblick – idealerweise einmal pro Jahr – schützt vor unnötigen Ausgaben und vor gefährlichen Schutzlücken gleichermaßen. Wer dabei systematisch vorgeht, kündigt nicht aus Leichtsinn, sondern aus informierter Entscheidung. Das ist kein Verlust an Sicherheit – das ist finanzieller Verstand.

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Häufige Fragen

Die Privathaftpflichtversicherung ist die wichtigste Versicherung überhaupt. Sie schützt vor finanziell ruinösen Schadenersatzforderungen, wenn man versehentlich andere Personen verletzt oder deren Eigentum beschädigt. Die Beiträge sind gering, das abgesicherte Risiko kann existenzbedrohend sein.

In den meisten Fällen nicht. Eine Risikolebensversicherung macht vor allem Sinn, wenn andere Menschen finanziell von einem abhängig sind – etwa Kinder oder ein Partner mit niedrigem Einkommen. Singles ohne Unterhaltsverpflichtungen brauchen diesen Schutz in der Regel nicht.

Ja, für die meisten Berufstätigen ist sie eine der notwendigen Versicherungen. Statistisch scheidet jeder vierte Arbeitnehmer vor Rentenalter aus dem Berufsleben aus. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht kaum zum Leben. Je früher man abschließt, desto günstiger die Prämie.

Typische Kandidaten für eine Kündigung sind Handyversicherungen, Reisegepäckversicherungen, Sterbegeldversicherungen und Brillenversicherungen. Sie sichern Risiken ab, die entweder durch andere Policen gedeckt sind oder deren Schadenspotenzial so gering ist, dass man es selbst tragen kann.

Die Kündigung muss schriftlich und fristgerecht erfolgen – meist drei Monate vor Vertragsende. Bei Beitragserhöhungen gibt es häufig ein Sonderkündigungsrecht mit einmonatiger Frist. Wichtig: Niemals eine bestehende Police kündigen, bevor ein gleichwertiger Ersatz unterschrieben ist, besonders bei BU- und Krankenversicherungen.

Ja, Doppelversicherungen sind häufig. Zum Beispiel bieten manche Kreditkarten bereits Reiserücktritts- oder Reisegepäckschutz – wer dann noch eine separate Reiseversicherung hat, zahlt doppelt. Auch die Hausratversicherung schließt oft Handys und Fahrräder ein, die zusätzlich einzeln versichert sind.

Einmal pro Jahr ist ein guter Rhythmus. Darüber hinaus sollte man den Versicherungsschutz bei großen Lebensereignissen überprüfen: Heirat, Geburt eines Kindes, Immobilienkauf, Jobwechsel oder Umzug können bestehende Versicherungen überflüssig machen oder neue notwendig werden lassen.